Mit dem Rennrad am Bodensee unterwegs

Kressbronn mit Bodensee und Säntis

Der Bodensee ist kein klassisches Urlaubsziel für Rennradfahrer. Im Frühjahr und im Herbst wird auf Mallorca geradelt, im Winter auf den Kanaren und im Sommer in den Alpen, bestenfalls noch in den Mittelgebirgen. Aber der Bodensee? Wer mit dem Auto nur etwas weiter fährt, ist in Südtirol, der Schweiz, in den Allgäuer Alpen oder im Schwarzwald.

Der Bodensee führt dagegen zu Unrecht ein Schattendasein als Reiseziel für Rennradfahrer. Oder ist die Region inzwischen auf dem Weg zum Radsport Geheimtipp?

Durstlöscher für Rennradfahrer

Punkten kann der Bodensee natürlich als einer der beliebtesten Urlaubsregionen. Für Rennradfahrer ist er zusätzlich interessant durch die Lage zwischen Schwarzwald, Allgäu und den Alpen. Denn tagsüber können Touren in die Hügel und Berge im Umland unternommen und abends gemütlich direkt am Ufer die Akkus mit den Spezialitäten der Region wieder gefüllt werden. Und wer keine Lust auf die Berge hat, findet auch überwiegend ebene Strecken.

So ist der Bodensee gleichermaßen geeignet für Neulinge und alte Hasen. Natürlich gibt es hier keine langen Passstraßen wie im Hochgebirge, dafür sind die kurzen Steigungen teils recht steil. Und es gibt im Hinterland des Sees unzählige kleine Nebenstraßen mit wenig Autoverkehr, die durch eine tolle Landschaft führen mit Blick auf See, Berge und saftige Wiesen.

Mit dem Rannrad am Bodensee

Von Schaffhausen kann man eine Tagestour in den Südschwarzwald bis zum Feldberg unternehmen. Im Westen und Norden des Bodensees liegen Hegau, Linzgau und Oberschwaben. Die drei Regionen können sowohl sanft hügelig sein, bieten aber auch knackige Anstiege. Das Allgäu beginnt schon eine Radstunde hinter Lindau und geht nahtlos in die Alpen über, die zusammen mit dem Schweizer Mittelland den Osten und Süden der Region prägen.

Die Attraktivität der Bodenseeregion für Rennradler sieht man auch an den ehemaligen oder noch aktiven Profis, die inzwischen hier wohnen. Allein rings um Konstanz und Kreuzlingen wohnen der mehrfache Weltmeister im Zeitfahren Tony Martin, der Weltklasse-Sprinter André Greipel und die ehemaligen Profis Bert Grabsch, Jan Ullrich und Andreas Klöden.

Der Bodensee-Radweg ist grundsätzlich gut geeignet für Rennradfahrer, allerdings mit Einschränkungen: Es gibt einige wenige Abschnitte, die nicht asphaltiert sind, aber auf der Straße umfahren werden können. Und an Wochenenden und in der Hochsaison sind manche Teilstrecken sehr stark befahren. In der Zeit also lieber ins Hinterland ausweichen.

Der Bodensee eignet sich sowohl für Tagesausflüge mit dem Rennrad, als auch für längere Aufenthalte. Und wer gleich ein paar Tage bleibt, kann von einem Standort aus Tagesausflüge ins Umland unternehmen oder von einem Ort am See über das Hinterland zum nächsten Ort fahren – für Ihre Koffer können Sie unseren Gepäcktransport nutzen und haben so tagsüber nur das Nötigste dabei.

Hauptsache bergauf

Die Tagestouren müssen nicht als Runde geplant werden, zurück zum Ausgangspunkt können Sie auch bequem mit der Bahn gelangen. Konstanz ist für Tagestouren ein guter Startort. Von hier aus lassen sich Touren um alle drei Teile des Bodensees unternehmen. Wer es bergiger mag, wählt lieber Lindau oder Bregenz. Hier liegen die Berge von Allgäu, Vorarlberg und der Schweiz fast vor der Hoteltüre. Aber natürlich eignet sich auch jeder andere Ort am Bodensee.

Bleibt die Frage, wie kommt man an Vorschläge für Rennrad-Touren am Bodensee?

Es gibt unzählige online-Tourenportale und jeder Radler bevorzugt einen anderen Anbieter. Hier wollen wir drei Anbieter empfehlen:

Auf diesen drei Portalen finden sich zahlreiche Tourvorschläge und natürlich auch für den Bodensee. Über Filter können die Treffer eingegrenzt werden, so dass nur für Rennräder geeignete Touren gezeigt werden. Auch die Streckenlänge und Anzahl der Höhenmeter sind durch den Filter einstellbar.

Für Rennradfahrer gibt es noch zwei weitere empfehlenswerte Webseiten:

quäldich.de

Der ungewöhnliche Name von quaeldich.de geht auf ein Zitat von Udo Bölts während der Tour de France 1997 zurück. Und ein gewisser Hang zur Qual ist auch von Vorteil, wenn man die hier aufgeführten Pässe mit dem Fahrrad fahren will. Inzwischen sind unter dem Motto Hauptsache bergauf über 5000 Pässe beschrieben, davon mehr als 1500 allein aus dem Alpen. Mit Fotos, Texten und Höhenprofilen kann man sich auf die verschiedenen Anfahrten einstimmen.

Neben den Pässen gibt es aber auch eine wachsende Zahl von Touren und für Selbstplaner den Quäldich-Tourenplaner.

Mit wenigen Klicks kann eine Tour für jeden Geschmack erstellt und als GPX-Datei auf das eigene GPS-Gerät oder das Smartphone geladen werden. So ist Karte und Tour unterwegs immer direkt zu sehen. Bei der Nutzung des Smartphones ist am Bodensee ein Punkt besonders zu beachten: Je nach Einstellung kann sich das Smartphone in ein fremdes Mobilfunknetz einwählen, wodurch es zu höheren Kosten als im eigenen Netz kommen kann.

Strava

Strava.com ist ein soziales Netzwerk für Sportler und in der Basisversion kostenfrei. Der Name kommt vom schwedischen sträva, was für streben steht. Und darum geht es den Machern von Strava: Sie wollen jenen Sportlern helfen, die danach streben, sich zu verbessern – unabhängig von Ziel, Talent und Alter.

Läufer, Radfahrer oder auch Triathleten können ihre Aktivitäten mit ihrem GPS-Gerät oder per App aufzeichnen und bei Strava hochladen. So kann die eigene Joggingrunde oder Radtour nicht nur mit den eigenen vergangenen Leistungen verglichen werden, sondern auch mit denen von allen anderen Sportlern. Dazu können bei Strava Segmente definiert werden, also bestimmte Streckenabschnitte, für die es eigene Bestenlisten gibt und die so eine weitere Motivation liefern, die eigene Leistung zu verbessern. Dabei kann man sich auch mit den zahlreichen Profis messen, die bei Strava registriert sind. Der oder die schnellste Radfahrer kann sich dann mit der virtuellen Krone als King oder Queen of the Mountain schmücken. Und nebenbei sieht man, wie weit und wie lang man in der vergangenen Woche, im letzten Monat oder Jahr unterwegs war.

Für Radfahrer, die schöne Strecken für den Rennradurlaub suchen, ist der Routenersteller gut geeignet. Hier können mit wenigen Klicks leicht eigene Routen erstellt werden. Der Vorteil gegenüber anderen Anbietern: Eine Heatmap zeigt farblich die meist befahrenen Strecken der Region an. Und wo Gleichgesinnte unterwegs sind, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit auch schön sein. Außerdem können die Segmente eingeblendet werden, die häufig an interessanten Streckenabschnitten angelegt sind. Fertige Routen können auf dem eigenen GPS-Gerät gespeichert oder in der App angezeigt werden. So sind während der Tour eine digitale Karte und die Route immer direkt am Lenker dabei.

Interessante Veranstaltungen für Rennradfahrer am Bodensee

Eurobike
Jedes Jahr Ende August oder Anfang September steigt in Friedrichshafen die weltweit größte Leitmesse der Fahrradbranche. Mehr als 65.000 Besucher aus über 100 Ländern informieren sich dann über aktuelle Trends und neue Produkte. Wichtig für Radurlauber: Wer in der Zeit ein Zimmer zwischen Meersburg und Lindau sucht, kümmert sich am besten rechtzeitig darum, bevor alle Hotelbetten ausgebucht sind. Details gibt es auf der Webseite der Eurobike-Messe.

Stoppomat Höchsten
Der Stoppomat ist eine permanente Zeitmessanlage und damit gewissermaßen ein Vorläufer der Strava-Segmente. Dabei stempeln Radsportler eine Karte an Start- und Zielort und messen so die benötigte Zeit. Veröffentlicht werden die Zeiten später auf der Stoppomat-Webseite. Der erste Stoppomat in Deutschland steht seit 2006 auf dem Höchsten, nördlich von Friedrichshafen. Auf der 8,2 km langen Strecke müssen 360 Höhenmeter überwunden werden. Den Streckenrekord hält übrigens mit 16:09 Minuten der ehemalige Radrennfahrer Jörg Ludewig.

Bodensee Megathlon
Ende Juli messen sich Sportler in Radolfzell und Umgebung in gleich fünf Sportarten. Die drei Triathlonsportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen werden um Inlineskaten und Mountainbiken noch erweitert. Wem allein alle fünf Disziplinen beim Megathlon zu viel sind, der schließt sich einfach mit vier Gleichgesinnten zu einem Team zusammen.

Radtourenfahrten

Bodensee Radmarathon
Kurz nach der Eurobike treffen sich Mitte September erneut zahlreiche Rennradfahrer am Bodensee zum Bodensee Radmarathon. Auf drei verschiedenen Strecken zwischen 80 km und 220 km können beim Radmarathon der Unter- und Obersee umrundet werden.

Highlander Radmarathon
Auch die Straßen Vorarlbergs können im Rahmen eines Radmarathons erlebt werden. Der Veranstalter wirbt mit dem Slogan Vorarlberg von der härtesten und schönsten Seite. Und die Reihenfolge ist mit Bedacht gewählt. Immerhin sind auf der 187 km langen Strecke 4040 Höhenmeter zu bezwingen. Vermutlich bleibt da auf der kleinen Runde – auch noch 160 km – mehr Zeit für die schönste Seite der Region. Der höchste Punkt beider Strecken ist der Flexenpass mit 1773 m. Weitere Informationen sind auf der Webseite zum Highlander Radmarathon zu finden.

Säntis Classics
Der markante Alpengipfel ist der Namenspate des Radmarathons Säntis Classic mit Start und Ziel in Weinfelden im Kanton Thurgau. Höhepunkt der beiden 130 km und 200 km langen Strecken ist die Schwägalp am Fuß des Säntis. Wer will, kann die Strecken in einer der geführten Gruppen zurücklegen.

Tour de Barock
Im Norden des Bodensees liegt die Hügellandschaft von Oberschwaben. Im 17. Jahrhundert entstanden hier sehr viele prächtige weltliche und sakrale Barockbauten. Einige dieser Bauwerke können auf der Tour de Barock entdeckt werden. Startort ist Bad Schussenried. Von hier starten die bis zu 190 km langen Rundstrecken.

Hegau-Bodensee-Panorama-Tour
Im Juni zieht es Rennradfahrer in den Westen des Bodensees zur Hegau-Bodensee-Panorama-Tour. Dann starten in Orsingen zahlreiche Radler Richtung Hegau und bis in die Schweiz. Neben Strecken zwischen 70 km und 200 km gibt es auch kürzere Volksrad-Strecken.