St. Gallen

St. Gallen
  • Ca. 70 000 Einwohner.
  • Gegründet im 7. Jahrhundert.
  • Die Gallusstadt besteht zu 50% aus Grünflächen.

Kleiner historischer Überblick

Mit über 70.000 Einwohnern ist St. Gallen eine der größten Städte im Bodenseeraum und gilt als das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Ostschweiz. Sie liegt zwischen zwei parallel verlaufenden Hügeln, dem Rosenberg im Norden und dem Freudenberg im Süden. Im Westen begrenzt die Sitterschlucht das Stadtgebiet, im Osten fließt die Steinach, wo sich historisch gesehen der Stadtkern befindet.

Der Mönch St. Gallus, ein Schüler des irischen Missionars Columban von Luxeuil, errichtete 612 an der Steinach eine Einsiedlerklause, um von hier aus die Alemannen zum Christentum zu bekehren. Nach dem Tod von Gallus verfiel die Klause, wurde aber zum Wallfahrtsort. 719 gründete schließlich der alemannische Priester Otmar am Wallfahrtsort eine Abtei und nannte sie Sankt Gallen. Im Frühmittelalter wurde sie zu einer Zufluchtsstätte für irische Gelehrte und Künstler, die ihre Heimat vor Wikingerangriffen verließen und so dem Kloster zu seiner ersten Blüte verhalfen.

1805 wurde das Kloster durch den Grossen Rat des Kantons St. Gallen aufgehoben. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte St. Gallen ab dem 14. Jahrhundert mit der Textilindustrie, die großen Teilen der Bevölkerung Arbeit verschaffte. Die Bauern pflanzten Hanf und Flachs an, Spinner, Weber und Bleicher verarbeiteten die Rohstoffe. Händler verkauften die fertige Ware, die eine so hohe Qualität hatte, dass sie bis Paris, Venedig und Prag vertrieben wurde.

In St. Gallen ragt der Stiftsbezirk unter den Sehenswürdigkeiten hervor. Das Quartier mit Stiftskirche und -bibliothek gehört seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Mit der Mühleggbahn, ein Schrägaufzug, der die Altstadt mit dem südlichen Hügel verbindet, kann leicht das Naherholungsgebiet Drei Weieren erreicht werden. In der Nähe der Bergstation befindet sich ein Höhenweg, der einen phantastischen Blick auf die Stadt bietet.

Sehenswürdigkeiten in St. Gallen

St. Gallen - Lapidarium

Stiftsbibliothek und Lapidarium

Die Stiftsbibliothek des ehemaligen Benediktinerstifts St. Gallen ist die älteste Bibliothek der Schweiz und eine der größten und ältesten Klosterbibliotheken der Welt. Zusammen mit dem Stiftsbezirk St. Gallen wurde die Bibliothek 1983 in die UNESCOWeltkulturerbeliste aufgenommen. In der Schreibwerkstatt des Klosters entstanden seit dem 8. Jahrhundert zahlreiche Handschriften, die für Gottesdienst, Schule und Verwaltung benötigt wurden. 1805 wurde die Abtei St. Gallen aufgelöst, die Bibliothek wird aber weiter genutzt als Museum und als Fachbibliothek für Mediävistik. Rund 400 Handschriften stammen aus der Zeit vor dem 11. Jahrhundert, darunter das älteste deutschsprachige Buch, der Abrogans. Der Büchersaal der Bibliothek, erbaut zwischen 1758 und 1767, wird als der schönste nicht-kirchliche Barockraum der Schweiz angesehen. Seit 1836 befindet sich die ägyptische Mumie der Schepenese, die von 650 bis 610 v. Chr. gelebt haben soll, im Besitz der Bibliothek. Im Lapidarium kann eine bedeutende Sammlung mittelalterlicher Architekturplastik besichtigt werden. Ausgestellt sind Werke aus der Zeit der Karolinger und der Ottonen und Spolien vom 15. bis 17. Jahrhundert.

St. Gallen - Stiftskirche

Stiftskirche

Die Stiftskirche St. Gallen wurde von 1755 bis 1766 als Kirche des Klosters St. Gallen erbaut und erfüllte diese Aufgabe bis zur Auflösung des Klosters 1805. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist die Kirche die Kathedrale des neu entstandenen Bistums St. Gallen. Der Neubau der Kirche wurde wegen der Baufälligkeit der alten Klosterkirche aus dem 9. Jahrhundert nötig. Die ersten Jahre führte Peter Thumb, der auch Baumeister der Wallfahrtskirche Birnau war, die Bauarbeiten und ließ das Langhaus und die Rotunde errichten. Die Stiftskirche St. Gallen gilt als eine der letzten großen Sakralbauten des Spätbarocks und gehört zusammen mit dem Stiftsbezirk seit 1983 zum UNESCO-Weltkulturerbe.